Kandidatengespräch mit Oberbürgermeister Michael Beck
Die Gemeinderäte und Kandidaten der Freien Wähler fanden sich mit Oberbürgermeister Michael Beck zum Informations- und Meinungsaustausch im Rathaus ein. Nach der eingangs von Fraktionsvorsitzender Carl-Roland Henke gestellten Frage nach der Zusammenarbeit der Freien Wähler mit der Stadtverwaltung betonte Beck, dass die gleichmäßige Einbindung aller Fraktionen in den Informationsaustausch selbstverständliche demokratische Übung sei.
Im Rückblick auf die Themen der letzten Ratsperiode hob Beck die erreichten Fortschritte in den Bereichen Familie, Schule, Kinderbetreuung und Integration hervor. Mit mehrheitlicher Unterstützung seitens des Gemeinderats wurden große Investitionen auf den Weg gebracht, so bei der Ganztagesbetreuung an Schulen. Schulsozialarbeit konnte in vielen Schulen eingerichtet werden, ein Anliegen, dass den Freien Wählern bei Ihren Schulbesuchen wiederholt vorgetragen wurde.
Obwohl die Umsetzung der politischen Vorgaben von Bund und Land die Stadt finanziell und organisatorisch stark belasten, werde die Stadt auch weiterhin in diesem Bereich deutliche Schwerpunkte setzen.
Leider sei die Wahrnehmung der bereits bestehenden Angebote bei den Bürgern oft unzureichend. Gunther Lamparter als Kandidat der Freien Wähler sieht hier auch die Gemeinderäte in der Pflicht, Politik zu kommunizieren.
Für Tuttlingen als Wirtschaftsstandort konnte erstmals eine Erfassung und Bewertung aller möglichen Gewerbeflächen erarbeitet werden. Jetzt gelte es, den genauen Bedarf zu bestimmen. Hierzu hatte eine Arbeitsgruppe der Freien Wähler im vergangenen Jahr einen Antrag eingebracht, die Unternehmen im Umkreis nach Flächenbedarf und der erforderlichen Infrastruktur für diese Flächen zu befragen, um eine bedarfsorientierte und differenzierte mittelfristige Entwicklung von Gewerbeflächen zu ermöglichen. Nur eine verlässliche Politik mit passgenauen Standortlösungen biete gute Entwicklungsmöglichkeiten für Unternehmen und schaffe Vertrauen bei den Anwohnern, so die Arbeitsgruppe.
Ebenfalls werde die Stärkung des Einzelhandels und der Innenstadt durch das City-Management der Stadt weitergeführt, so Oberbürgermeister Beck. „Einzelhandel in Tuttlingen kann funktionieren“, bekräftigte Hertie Geschäftsleiter Matthias Seidel seine Auffassung. Es gelte aber, die Einzelhändler vor Ort zum gegenseitigen befördern zu ermutigen, so Seidel. Die Stadt könne hier gute Rahmenbedingungen schaffen und gemeinsame Aktionen fördern, eine Stadt könne aber nicht unternehmerisches Handeln ersetzen. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass auch Eigentümer von Geschäftsgrundstücken sich nicht nur von kurzfristigen Renditeüberlegungen leiten ließen, so Beck, sondern die Investition in attraktive Ladengeschäfte als langfristige Renditesicherung begriffen.
Selbst unternehmerisch tätig werde, so Michael Beck, die Stadt im Rahmen ihrer Eigenbetriebe, Wohnbau und Stadtwerke. Bei den Stadtwerken geschehe dies aus der Überzeugung heraus, dass die Energieerzeugung und die zunehmende Nutzung regenerativer Energiequellen zukunftsweisend für die Stadtwerke seien. Auf Nachfrage von Michael Wolf zum Aufbau von Fernwärmenetzen betont Beck, dass er nicht auf Anschluss- und Benutzungszwang, sondern auf Überzeugungsarbeit setze, wenn es um die Gewinnung von Abnehmern für Energie gehe.
Die Finanzen der Stadt werden auch in Zukunft stark in Anspruch genommen werden, so die Einschätzung von OB Beck. Die Konjunkturkrise sei schon zu spüren, auch in der Medizintechnik werden Auswirkungen erwartet. Bereits im laufenden Haushalt 2009 fehlen erhebliche Mittel. Wichtig sei, dass die Versorgung der Unternehmen mit ausreichenden finanziellen Mitteln gelinge, so Klaus Braun, um die Krise zu meistern.
Durch das Konjunkturpaket werde die Stadt geförderte Investitionen vorziehen müssen und die dafür benötigten Mittel zusätzlich bereitzustellen haben, so Beck. Eine Konsequenz, deren Sinn angezweifelt werden dürfe, beendete Beck seine Ausführungen.
Fraktionsvorsitzender Henke dankte OB Beck und den anwesenden Stadträten und Kandidaten der Freien Wähler für die rege Diskussion und zeigte sich zuversichtlich, dass die Freien Wähler sich weiterhin konstruktiv am Gelingen der politischen Entscheidungen der kommenden Jahre im Gemeinderat beteiligen können und ihre Stärke auf sechs Sitze im Gemeinderat steigern könnten. Mit den Freien Wählern engagieren sich parteiungebundene Bürger für Bürger in Tuttlingen, Nendingen und Möhringen aus der Verantwortung für Ihre Heimatstadt heraus, so dankte Henke den anwesenden Räten und Kandidaten für ihre Bereitschaft, sich und ihren Sachverstand in die Kommunalpolitik einzubringen.
Mehr Lesen
« Besuch Steinbeis Schule Tuttlingen
Freie Wähler zur Betriebsbesichtung bei Firma Aesculap »
